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Reerdigung – eine neue Bestattungsart

Von der Natur inspiriert: Die Reerdigung ist eine besonders nachhaltige Bestattungsart, die das Unternehmen Circulum Vitae entwickelt hat. Aktuell handelt es sich dabei noch um ein Pilotprojekt, das bisher nur auf einem Friedhof in Mölln möglich ist.

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit in allen Bereichen lässt vermuten, dass sich die Reerdigung als alternative Bestattungsart durchsetzen könnte. Auch haben bereits andere Friedhöfe der Nordkirche Interesse und Bedarf angemeldet.

Aber wie läuft so eine Reerdigung eigentlich ab? Warum ist sie so nachhaltig? Und wie stehen religiöse Vertreter dazu? Wir geben Ihnen einen Einblick in diese neue Bestattungsart.

Ablauf der Reerdigung

  1. Einbettung
    Die Einbettung bei der Reerdigung findet auf dem Friedhof statt. Der Verstorbene wird dabei auf einem Bett aus pflanzlichen Materialien wie Grünschnitt, Blumen und Stroh gelegt.

  2. Der Kokon
    Der Körper ruht auf dem Pflanzenbett in einem 2,5 m langen Kokon aus Edelstahl. In dem belüfteten Kokon herrschen optimale Bedingungen, sodass es zu keiner Geruchsbildung kommt. Der Kokon wird in eigenen Räumlichkeiten auf dem Friedhof aufbewahrt. In Mölln heißen diese Räumlichkeiten Alvarium.

  3. Der Körper wird zu fruchtbarer Muttererde
    In 40 Tagen verwandeln natürliche Mikroorganismen den Körper in bis zu 200 kg Humus, auf dem neues Leben gedeihen kann. Selbst Knochen und Zähne sind zu Erde geworden. Ganz ohne Würmer und Chemie.

  4. Beisetzung der Erde
    Die Erde wird noch verfeinert, damit sie schön weich ist. Anschließend wird die Erde in einem Grab auf einem Friedhof beigesetzt.

  5. Neues Leben entsteht
    Angehörige können die Erde nun nach ihren Vorstellungen bepflanzen und darauf neues Leben entstehen lassen.

Reerdigung – die wohl nachhaltigste Bestattungsmethode

Die Reerdigung hat die Natur zum Vorbild und wirkt im Vergleich zur Feuerbestattung lebensbejahend. Denn während bei der Feuerbestattung die Materie eines Menschen in Rauch aufgeht, entsteht bei der Reerdigung lebendiger Boden, auf dem etwas Neues wachsen kann.

Auch werden bei der Einäscherung CO₂-Abgase freigesetzt, bei der Reerdigung wird der Kohlenstoff, der von Natur aus in jedem Körper steckt, an die Erde zurückgegeben. So werden ca. 1 Tonne CO₂ pro Bestattung durch die Reerdigung eingespart und gleichzeitig der Boden mit noch mehr Nährstoffen angereicht. Und das ist gut fürs Klima und die Natur.

Bei der Reerdigung werden keine Zusatzstoffe und Chemie verwendet. Die Mikroorganismen erzeugen 70° Celsius und zerstören dadurch schädliche Krankheitserreger. So entsteht ganz saubere, ungefährliche Erde. Zudem wird der Kokon aus Edelstahl wiederverwendet.

Auch eine Trauerfeier ist möglich

Mit einem Leihsarg kann vor der Reerdigung eine Trauerfeier arrangiert werden. Danach wird der Verstorbene zum Friedhof in die speziell dafür eingerichteten Räumlichkeiten überführt und dort in den Kokon gebettet.

Auf dem Möllner Friedhof steht der Kokon in einer Holzwabe und ist nicht zu sehen. Angehörige haben hier 40 Tage lang Zugang.

Nach den 40 Tagen bleiben ca. 100 kg Erde zurück, die dann beispielsweise in einem Leinentuch zur Grabstelle gebracht werden kann. Als besonderes Bestattungsritual kann auch ein Teil der Erde in eine Urne gegeben und mit beigesetzt werden.

Die Reerdigung als Alternative zur anonymen Bestattung

Besonders für Angehörige, die ein pflegefreies Grab wünschen und sich deshalb meist für die anonyme Bestattung entscheiden, ist die Reerdigung interessant. Denn die Beisetzung kann in jedem Erdgrab stattfinden, auch in einem Rasenreihengrab, eine Bepflanzung ist nicht notwendig. Zudem ist die Reerdigung für umweltbewusste Menschen und für alle, die nicht verbrannt oder in einem Sarg beerdigt werden möchten, geeignet.

Es gibt aber auch Nachteile der Reerdigung

Die Reeerdigung dauert lange, die Verfügbarkeit ist momentan noch sehr gering, und sie ist nicht zu 100% nachhaltig – da der Kokon wegen der entstehenden Gase einmal am Tag per Stromantrieb gewendet werden muss und auch eine Überführung notwendig ist.

Kein religiöser Konflikt bei der Reerdigung

„Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden“ – die einzelnen Phasen der Reerdigung wurden achtsam mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Religionen und Weltanschauungen entwickelt. So wird die Reerdigung schon jetzt von zahlreichen Geistlichen unterstützt. In jeder Phase der Reerdigung wird sehr behutsam mit dem Verstorbenen umgegangen, sodass sie höchsten Pietätsansprüchen gerecht wird.

Gibt es die Reedigung bereits in Ihrer Stadt?
Fragen Sie gleich Ihr Bestattungshaus!

Autorin:
Ramona Peglow
Bild:
©nature design – stock.adobe.com

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